„United in Unicycling“ – unter diesem Motto ist die Einradgemeinschaft Münsterland (EGM) mit 25 Sportler:innen zur UNICON 22 nach Steyr gereist. Zwei Wochen lang ist die oberösterreichische Stadt das Zentrum der internationalen Einradszene und für unser Team liegt nach der ersten Wettkampfwoche bereits eine kleine Achterbahn der Gefühle hinter uns: Höhen und Tiefen, Wind und Hitze, langes Bangen auf Ergebnisse und jede Menge Jubel.

Was die UNICON so besonders macht, lässt sich schwer in Worte fassen. Sie ist eben nicht nur Weltmeisterschaft, sondern ein großes, herzliches Fest einer Sportart, die viel vielseitiger ist, als viele auf den ersten Blick vermuten: von rasanten Bahn- und Straßenrennen über akrobatische Sprünge bis hin zu waghalsigen Muni-Abfahrten im Gebirge. Hier feuern sich Konkurrent:innen gegenseitig an und der Applaus gilt allen: von Weltrekordhalter:innen bis zum Kind bei seiner allerersten WM-Fahrt. Genau davon durften wir in dieser ersten Woche eine ganze Menge erleben. Hier unser Zwischenfazit:

Freitag, 24. Juli – Ankommen und Registrierung in Steyr

Nach langer Anreise hieß es zunächst: Akkreditierung abholen, Unterkünfte beziehen und die ersten bekannten Gesichter aus aller Welt wiedersehen. Die Vorfreude, die sich über Monate der Vorbereitung aufgebaut hatte, war mit Händen zu greifen und nun konnte es endlich losgehen.

Samstag, 25. Juli – Parade & Einmarsch der Nationen in der Stadthalle

Der offizielle Auftakt gehörte ganz den Athlet:innen. Eine bunte Parade zog durch die malerische Altstadt von Steyr, ehe am Abend der feierliche Einmarsch der Nationen in die Stadthalle folgte. Insgesamt 1144 Aktive aus 41 Ländern zogen mit ihren Flaggen und in ihren Nationaltrikots ein. Das größte Starterfeld stellte dabei Deutschland. Eine würdevolle, große Bühne für den Sport und ein Gänsehautmoment, der Lust auf die kommenden Tage machte.

Sonntag, 26. Juli – 10-Kilometer-Straßenrennen

Während am Vormittag der erste Wettkampf der UNICON (Trial) noch ohne EGM-Beteiligung startete, stiegen wir am späten Nachmittag mit dem 10-Kilometer-Straßenrennen ins Geschehen ein. Die von den Race-Directors ausgewählte Strecke hatte zwei Gesichter: Die nicht immer optimalen Straßenverhältnisse sorgten bei den hohen Geschwindigkeiten für einige Stürze und einen kurzen steilen Berg mit langer Abfahrt strapazierten die Beine besonders. Zugleich bot der Kurs enorm viel Spannung, denn Start und Ziel lagen auf der Rennbahn und die vier Runden auf dem Straßenkurs machten das Rennen für die Zuschauer:innen wunderbar nachverfolgbar. Danach war Geduld gefragt: Mehr als 48 Stunden mussten unsere Sportler:innen warten, bis alle Ergebnisse geprüft und offiziell waren.

Das Warten hat sich gelohnt. Bei den 15- bis 16-jährigen Mädchen fuhr Marisa Löckmann allen davon und holte sich den Sieg in ihrer Altersklasse, während Ida Striemer als Dritte ebenfalls aufs Podest fuhr; Luise Kaiser (7.), Mathilda Kaiser (10.) und Emilia Quandt (11.) rundeten ein starkes Mannschaftsergebnis ab. Julia Potthoff belegte bei den 17- bis 18-Jährigen Rang fünf, Lisa Hagedorn wurde in der Klasse 21–22 Jahre gute Vierte. Bei den 23- bis 24-Jährigen kamen Nina Ehl (6.), Nele Kuhlmann (7.) und Lara Rottwinkel (9.) dicht beieinander ins Ziel, Leonie Brandwitte fuhr bei den 25- bis 29-Jährigen auf Platz sechs. Auch Alexandra Sandmann (8. bei den 30- bis 49-Jährigen) und Konstantin Brandwitte (11. in der Klasse Männer 50–59) sammelten wertvolle WM-Kilometer.

Montag, 27. Juli – Weit- und Hochsprung

Pünktlich zum angekündigten Regentag standen die Sprungdisziplinen an. Der Regen fiel zum Glück milder aus als befürchtet, aber der vorhergesagte Wind dafür umso heftiger. Ab etwa 10 Uhr verschlechterte sich das Wetter zusehends und vor allem die kräftigen Böen von 50 km/h und mehr machten den Wettkämpfer:innen schwer zu schaffen: Teils wehte der Wind beim Weitsprung die Stahllatten und beim Hochsprung die Kunststoffrohre einfach weg. Kurzerhand organisierten die Race-Directors bei einer Stahlbaufirma in Steyr stabilere Latten. Vielen Dank für diesen großartigen Einsatz!

Im Hochsprung zeigte Sarah Heidecker bei den 15- bis 16-Jährigen mit übersprungenen 47 cm das beste EGM-Ergebnis der jungen Klasse und wurde Neunte, gefolgt von Marisa Löckmann (11., 39 cm), Emilia Quandt (14., 35 cm), Ida Striemer (16., 33 cm) und Mathilda Kaiser (17., 32 cm). Lisa Hagedorn meisterte in der Altersklasse 21–2-jährigen genau 41 cm und belegte Rang sechs.

Im Weitsprung ragte Alexandra Sandmann heraus: Mit weiten 135 cm sprang sie bei den 30- bis 49-Jährigen auf einen hervorragenden zweiten Platz. Lara Rottwinkel sprang bei den 23- bis 24-Jährigen mit 120 cm auf Rang fünf, Julia Potthoff wurde bei den 17- bis 18-Jährigen mit 85 cm Vierte. In der Altersklasse 15–16-jährigen kamen Marisa Löckmann (10., 110 cm), Ida Striemer (12., 105 cm) und Emilia Quandt (14., 80 cm) ins Klassement, Lisa Hagedorn belegte bei den 21- bis 22-Jährigen mit 80 cm Platz neun.

Dienstag, 28. Juli – Criterium & ein Weltrekord am Abend

Der Tag begann mit dem Criterium, einer Disziplin mit Ursprung im Straßenradsport: Gefahren wird auf einem kurzen Rundkurs, der mehrfach absolviert wird. Gerade die vielen Runden sorgen für ein abwechslungsreiches Rennen mit häufigen Überholmanövern, spannenden Zweikämpfen und bester Übersicht für die Zuschauenden. Der Kurs in Steyr begann auf der Straße vor dem Stadion und schlängelte sich anschließend mit zahlreichen engen Kurven und Richtungswechseln über die 400-Meter-Laufbahn. Ein Profil, das fahrerisches Können und höchste Konzentration verlangte.

Alle 15 gestarteten EGM-Sportler:innen fuhren in der Standardkategorie und gleich vier von ihnen erreichten das Finale: Leonie Brandwitte, Marisa Löckmann, Ida Striemer und Julia Potthoff. Für einen besonders schönen Moment sorgte die jüngste im Bunde: Lea Minke feierte in der Klasse 0–10-jährigen mit Rang fünf ihre WM-Premiere. Ein Debüt zum Mitfreuen.

Bei den 15- bis 16-Jährigen fuhren Marisa Löckmann (2.) und Ida Striemer (3.) gemeinsam aufs Podest; dahinter reihten sich Emilia Quandt (7.), Luise Kaiser (9.), Mathilda Kaiser (11.) und Sarah Heidecker (13.) ein. Julia Potthoff wurde bei den 17- bis 18-Jährigen starke Vierte, Lisa Hagedorn fuhr bei den 21- bis 22-Jährigen als Zweite aufs Treppchen. Bei den 23- bis 24-Jährigen sortierten sich Nina Ehl (6.), Nele Kuhlmann (7.) und Lara Rottwinkel (9.) ein, Leonie Brandwitte verpasste bei den 25- bis 29-Jährigen als Vierte das Podest nur knapp. Alexandra Sandmann wurde bei den 30- bis 49-Jährigen Fünfte, Konstantin Brandwitte bei den Männern 50–59-jährigen Siebter.

Am Abend schauten wir bei den Finals im Hoch- und Weitsprung auf der Bahn zu und wurden Zeugen eines historischen Moments: Johannes Baumkirchner stellte im Weitsprung-Finale der Herren mit 4,60 m einen neuen Weltrekord auf. Er verbesserte damit seine erst einen Tag zuvor aufgestellte Bestmarke von 4,31 m um sagenhafte 29 cm und sprang sich regelrecht in einen Rausch. Die Stimmung war so mitreißend, dass sogar Anwohner:innen ins Stadion kamen und sich anstecken ließen. Ein Gänsehautabend, wie ihn nur die UNICON schreibt.

Mittwoch, 29. Juli – ein Tag zum Durchatmen

Ein Tag ohne eigenen Start: Wir haben unsere Meldung für das Cross Country geschlossen zurückgezogen. Die Strecke mit über 150 Höhenmetern auf gut 3,2 km war äußerst anspruchsvoll und der Muni-Bereich zählt nun einmal nicht zu unseren Kernkompetenzen. Stattdessen genossen wir den Tag als Team bei einem wohlverdienten Eis.

Und dann kam der schönste Teil des Tages: Bei den ersten Siegerehrungen für das 10-km-Rennen und den Weitsprung durften wir die Ergebnisse der vergangenen Tage endlich gemeinsam feiern. Der Lohn für viel Geduld und noch mehr harte Arbeit.

Donnerstag, 30. Juli – Stillstand

Eine für uns ungewohnte Disziplin: der Stillstand. Dabei versuchen die Fahrer:innen, so lange wie möglich auf einem nur 25 cm langen, 10 cm breiten und 3 cm hohen Holzblock zu balancieren, ohne zu hüpfen und ohne den Reifen um mehr als 45 Grad zu drehen. Zwei Versuche hat jede:r, und gefragt sind vor allem Konzentration und Feingefühl.

Bei den 15- bis 16-Jährigen zeigte Sarah Heidecker als Vierte das beste EGM-Ergebnis, vor Emilia Quandt (10.), Mathilda Kaiser (12.), Luise Kaiser (14.), Ida Striemer (15.) und Marisa Löckmann (16.). Julia Potthoff balancierte bei den 17- bis 18-Jährigen auf Rang sechs, bei den 23- bis 24-Jährigen kamen Nele Kuhlmann (7.) und Nina Ehl (9.) ins Klassement und Alexandra Sandmann wurde bei den 30- bis 49-jährigen Sechste. Am selben Tag nahmen wir zudem an der Siegerehrung des Criteriums teil, die nächsten schönen Momente zum gemeinsamen Feiern.

Freitag, 31. Juli – Muni am Wurbauerkogel

Am Freitag verlagerte sich das Geschehen in die Höhe: zum Wurbauerkogel. Der rund 850 Meter hohe Berg thront über Windischgarsten und ist in der Region Pyhrn-Priel ein beliebtes Ausflugsziel. Genau seine Merkmale wie schattige Wälder, knackige Steilstücke und ein weitverzweigtes Netz aus Wander- und Mountainbike-Pfaden machen ihn zum perfekten Terrain für die Muni-Wettbewerbe der UNICON. Wer oben an der Bergstation ankommt, wird obendrein mit einem weiten Panorama über das Tote Gebirge und das Sengsengebirge belohnt. Vor dieser Kulisse gingen die technisch anspruchvollsten Geländedisziplinen der Weltmeisterschaft über die Bühne.

Und der Berg meinte es gut mit uns: Im Downhill Beginner – 1,1 km auf schmalen Trails mit 158 Höhenmetern Unterschied – gingen mit Nina Ehl, Lara Rottwinkel und Nele Kuhlmann gleich drei EGM-Sportlerinnen an den Start und feierten bei den 23- bis 24-Jährigen einen dreifachen Triumph: Nina raste auf Platz eins, Lara folgte als Zweite, Nele wurde Fünfte. Ein Ergebnis, das umso mehr wiegt, weil Muni gar nicht zu unseren Spezialdisziplinen zählt.

38 Grad in Steyr, „nur“ 32 Grad am Wurbauerkogel – was für viele nach angenehmer Abkühlung klingt, war für die Uphill-Spezialist:innen alles andere als erfrischend. Uphill gehört zu den kürzesten und zugleich intensivsten Muni-Disziplinen: Neben Kraft und Ausdauer sind saubere Fahrtechnik, Balance und ein eiserner Wille gefragt. Lara Rottwinkel stellte sich am Vormittag zusätzlich dieser Herausforderung: 600 m Länge und 50 Höhenmeter galt es zu überwinden, was ihr bei den 23- bis 24-jährigen Rang sieben einbrachte.

Samstag, 1. August – Ruhetag mit zwei neuen Medaillen

Eigentlich ein Ruhetag, doch am Mittag kamen die offiziellen Ergebnisse des Muni Downhill Beginner heraus. Also fuhren wir kurzentschlossen am Nachmittag in die Eishalle nach Steyr, um die nächsten beiden Medaillen fürs Team zu feiern und zugleich die nächsten Vereinsmitglieder zu begrüßen, die nun für unsere Standarddisziplinen der Bahnrennen angereist sind. Aus einem Ruhetag wurde so ein weiterer schöner Team-Moment.

 

Eine starke Bilanz nach Woche eins

Unterm Strich steht ein Auftakt, der sich mehr als sehen lassen kann: zwei erste, vier zweite und zwei dritte Plätze in den Altersklassen. Das Trainerteam blickt entsprechend zufrieden und mit großer Vorfreude auf das Erreichte:

„Nach dieser ersten Woche sind wir überglücklich und ein bisschen stolz: zwei erste Plätze, vier zweite und zwei dritte Plätze in den Altersklassen. Ein starker Einstieg, wie wir ihn uns erhofft haben. Besonders schön ist, dass unser Team jetzt komplett ist. Mit dieser Vorfreude und dem Rückenwind der ersten Tage gehen wir nun in unsere Kerndisziplinen und starten hoffentlich in eine weitere erfolgreiche Woche.“

– das Trainerteam der Einradgemeinschaft Münsterland

Ausblick auf Woche zwei

Nach einer ereignisreichen ersten Woche voller Höhen, Wind, Hitze und großer Emotionen freuen wir uns jetzt auf das, was zu unseren Kernkompetenzen zählt. Vom 2. bis 5. August stehen unsere klassischen Disziplinen auf dem Programm: IUF-Slalom, Coasting, 800 m, Radlauf, 100 m, Einbein, 400 m und die 4 × 100 m Staffel. Auf der Bahn wollen wir zeigen, was in monatelanger Vorbereitung gewachsen ist und dabei natürlich auch die vier Altersklassen-Titel der letzten UNICON im Blick behalten.

Ein herzliches Dankeschön an alle Sportler:innen, an die mitgereisten Familien und an alle, die zu Hause mitfiebern. Fortsetzung folgt!